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Unter dem Zelt der Sterne – Jenn Bennett

Titel: Unter dem Zelt der Sterne

Autor: Jenn Bennett

Verlag: Carlsen

Seiten: 400

ISBN: 978-3-551-58398-7

Preis: 15,00€

Bewertung: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


Ich weiß eigentlich gar nicht wo ich anfangen soll! Ich habe fürs erste meinen alten Laptop wieder. Macht euch also auf einen langen Beitrag gefasst, denn ich habe viel zu sagen 😅

Wie ihr ja anhand der Bewertung gesehen habt, hat mir das Buch richtig gut gefallen. Ich habe einige Zeit überlegt, ob ich das Buch auf deutsch oder auf englisch lesen will („Starry Eyes“ im Original). Ich liebe „Annähernd Alex“ von Jenn Bennett, welches damals in meinem geliebten Königskinder Verlag erschienen ist (das klingt, als wäre das schon ewig her, dabei sind es eigentlich nur ein paar Jahre) und auch wenn mir ihr neues Buch „Moonlight Shadow“ (bisher noch nicht auf deutsch erschienen) richtig gut gefallen hat, war es einfach nicht so gut, wie „Annähernd Alex“. Normalerweise ziehe ich es vor Bücher im Original auf englisch zu lesen, einfach weil bei den Übersetzungen manchmal leider etwas verloren geht von der Geschichte oder dem Stil des Autors. Als ich „Unter dem Zelt der Sterne“ dann bei uns in der Buchhandlung gesehen habe, fiel die Entscheidung plötzlicht nicht mehr schwer, denn das Cover ist wirklich schön gestaltet (es wäre bestimmt auch ein wunderschönes Königskind geworden) und vielleicht ist Jenn Bennett eine Ausnahme, was das lesen im Original angeht. Unsere Carlsen Vertreterin war so lieb mir ein Leseexemplar zukommen zu lassen. Übrigens wartet nun auch seit ein paar Tagen „Die Anatomie der Nacht“ (auch ein liebevoll gestaltetes Königskind) bei mir darauf gelesen zu werden.

Aber zurück zu „Unter dem Zelt der Sterne“!

Spontanität wird überbewertet. Filme und Fernsehserien möchten uns weismachen, Leute, die bei Partys in voller Montur ins Wasser springen, hätten ein besseres Leben. Dabei ist das hinter den Kulissen doch alles bis ins kleinste Detail inszeniert. Das Wasser hat die richtige Temperatur. Beleuchtung und Kamerawinkel sind genau berechnet. Die Dialoge sind auswendig gelernt. Nur deshalb wirkt es so ansprechend – weil jemand alles sorgfältig durchgeplant hat. Hat man das erst mal kapiert, wird das Leben entschieden einfacher. So war es bei mir jedenfalls.

S. 11

Das ist der erste Absatz des Buches. Zorie plant alles haargenau durch. Sie glaubt an Zeitpläne, Abläufe, mit Washi Tape markierte Kalender, an Millimeterpapierhefte mit Listen und ausgeklügelte Pläne. Sie ist immer auf alles vorbereitet. Improvisation und spontane Entscheidungen enden bei ihr im Desaster.

Das ändert sich, als sie von ihrer Freundin Reagan und deren Clique zu einem „Glamping-Trip“ eingeladen wird (Glamour- Camping – luxoriöses campen). Der Trip ist die perfekte Gelegenheit den Familienproblemen und ihrem Vater aus dem Weg zu gehen. Außerdem ist auch Brett dabei, der Star der Schule, für den Zorie schwärmt.

Erst am Tag der Reise erfährt sie, dass auch Lennon auf den Glamping-Trip eingeladen wurde. Lennon war Zories bester Freund und für eine kurze Zeit, während des „großen Experiments“, sogar mehr als das. Seit der Homecoming-Party im letzten Herbst herrscht allerdings Funkstille zwischen Zorie und Lennon. Nach einem Zwischenfall in der ersten Nacht, muss die Clique den Platz verlassen und beschließt in der Wildnis zelten zu gehen. Der zweite Abend endet im Streit und als Zorie morgens aufwacht, ist sie allein mit Lennon. Die anderen haben sie einfach zurückgelassen. Zorie muss herausfinden was sie will. Nach Hause fahren wäre eine Art stillschweigende Kapitulation. Sie entschließt sich mit Lennon weiterzuwandern, denn der geht regelmäßig wandern und weiß worauf er achten muss. Aber beim Wandern kann man sich auch nicht aus dem Weg gehen und Zorie muss sich eingestehen, dass sie immer noch Gefühle für Lennon hat. Haben die beiden den Mut für einen Neuanfang und über den Grund der Trennung zu sprechen?

Es war Liebe auf den ersten Satz! Ich war sofort drin in der Geschichte und habe mich auch sehr schnell in dieses Buch und Zorie und Lennon verliebt.

Zorie liebt Astronomie, hat eine Vorliebe für extraknalligen Lippenstift, Karos und coole Brillen, sie liebt To-do Listen und plant alles bis ins kleinste Detail. Ich habe eigentlich nicht viel mit Zorie gemeinsam, aber sie war wie eine Freundin und hat sich mit dem Leser unterhalten. „Ihr wisst schon, bevor es komisch wird.“ (S. 207) Aber auch wenn Zorie vom Typ her komplett anders ist als ich, kennt man die Emotionen und fühlt richtig mit ihr mit. Während Zorie und Lennon sich neu kennengelernt haben, habe auch ich die beiden besser kennengelernt und da gibt es auch keine bessere Möglichkeit, als das beim Wandern zu tun, denn man kann sich nicht aus dem Weg gehen.

Laut Zorie hat Lennon „große Ähnlichkeit mit einer bösen Anime-Figur, die aus finsteren Ecken den Weltuntergang plant“. Er trägt gern Monster-Shirts, schwarze Jeans, schwarze kniehohe Schnürstiefel und er hat schwarze, fransig geschnittene Haare – demonstrativ zerzaust, dabei perfekt stachelig gestylt und dabei sehr attraktiv. Außerdem fährt Lennon einen Leichenwagen 😎

Auch wenn Lennons Beschreibung optisch nicht mein Typ ist, war ich sofort in ihn verliebt. 💕

Das Problem beim Wandern ist, dass alles andere verschwindet. Es gibt keine Ablenkung durch soziale Medien. Kein Fernsehen. Keinen Zeitplan, der eingehalten werden muss. Man ist auf sich selbst und seine Gedanken reduziert und die gleichmäßigen Schritte der eigenen Füße über den felsigen Boden. Selbst als ich versuche, meinen Kopf leer zu halten, rattert mein Hirn geschäftig im Hintergrund und möchte Dinge lösen, die ich nicht gelöst haben will.

Wie Lennon.

Und mich.

Uns.

S. 257)

Der Titel „Unter dem Zelt der Sterne“ klingt ein wenig kitschig, aber er bezieht sich sowohl auf Zories Interesse an Astronomie als auch aufs zelten während des wanderns und passt somit perfekt 🌌🏕

Sonnenuntergang im Grand Canyon

Habt ihr schonmal unter freiem Himmel geschlafen? Falls nicht, solltet ihr das definitiv nachholen. Ich war vor exakt 4 Jahren (23.08.2015-04.09.2015) an der US Westküste unterwegs. Ich bin zwar nicht gewandert, aber ich habe zum Abschluss meiner zwei Au Pair Jahre in den USA eine Tour an der Westküste mit meiner älteren Schwester gebucht. Die Nacht vor der Fahrt haben wir in einem Hostel in Los Angeles verbracht, von da aus ging es nach Arizona zum Lake Havasu, wo wir direkt auf dem Strand übernachtet haben, und weil es so warm war, haben wir uns nichtmal die Mühe gemacht unsere Zelte aufzubauen, sondern haben uns nur unsere Isomatten und Schlafsäcke in den Sand gelegt. Über die Route 66 ging es zum Grand Canyon, dem einzigen Ort an dem wir aufgrund des vorhergesagten Regens unsere Zelte aufgebaut haben. In Las Vegas hatte wir zwei Nächte in einem Hotel geschlafen bevor es weiter ins Death Valley ging (bei ca 50 Grad Celsius braucht man definitv kein Zelt!). Die letzte Nacht im Freien haben wir im Yosemite National Park verbracht. Danach ging es nach San Francisco, wo ich noch einige Tage mit meiner Schwester in einem AirBnB in El Cerrito (in der Nähe von Berkely, also einem Vorort von San Francisco) verbracht habe. Ich hätte richtig Lust mal richtig campen zu gehen, also mit wandern. Die Reise zählt zur besten meines Lebens, aber wir sind mit 13 Mädels in einem Van unterwegs gewesen.

Meine Reiseroute mit APA 2015

Indem ich das Buch gelesen habe, konnte ich jetzt zumindest einen mentalen Wandertrip machen. (Ich fand übrigens auch „Wild“ von Cheryl Strayed großartig – ich glaube es heißt „der große Trip“ auf deutsch 😉)

Ich schweife schon wieder ab, also: Der Titel klingt etwas kitschig, das ist die Geschichte auch stellenweise, aber dabei auch so unglaublich süß! Ich war die ersten 200 Seiten vom Happy End überzeugt und hatte mich gefragt, was jetzt noch alles in den nächsten 200 Seiten spannendes passieren soll. Dann gab es einen plötzlichen Plottwist, bei dem ich mich gewundert habe, wie das jetzt alles in 200 Seiten aufgelöst werden soll. Ich möchte jetzt aber wirklich nicht mehr verraten!

„Unter dem Zelt der Sterne“ ist eine wahnsinnig tolle Geschichte über Freundschaft, Trauer, die erste Liebe, den Mut zu finden über sich hinauszuwachsen und dass es sich lohnt Neues auszuprobieren. Es ist definitiv eines meiner bisherigen Jahreshighlights!

So, jetzt höre ich aber auf, obwohl ich noch Stunden von diesem Buch schwärmen könnte! Ich suche mir jetzt einen Lennon 😎

Sequoia Tree
Yosemite National Park
Sonnenuntergang am Lake Havasu

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